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Aktiv gegen Kindesmissbrauch

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Aktiv gegen Kindesmissbrauch stellt ihr Facebook Projekt ein.

Liebe User von AgK. Seit 2011 haben wir an dieser Stelle viel berichtet, informiert und Projekte wie z.B. Make A Change unterstützt, dank uns haben viele an der Studie “Verstehen, weshalb Betroffene schweigen” teilgenommen. Viele Petitionen haben wir ebenfalls unterstützt. Adressen für Betroffene haben wir bereitgestellt und veröffentlicht. Viel wurde auf unserer Seite Diskutiert über die verschiedensten Themen egal ob positiv oder negativ. Aber dennoch müssen wir bekannt geben, das wir aus persönlichen und privaten Gründen unsere Arbeit leider nicht mehr weiter aufrecht erhalten können. Deshalb müssen wir heute mitteilen, dass unsere Seite „Aktiv gegen Kindesmissbrauch“ nicht mehr länger weiter online und aktiv sein wird.

Wir möchten hiermit nochmals allen ans Herz legen, dass jeder einzelne, auch weiterhin seinen Teil dazu beitragen kann und muss, um auf das Thema Kindesmissbrauch aufmerksam zu machen um denjenigen zu helfen die Hilfe benötigen. Jeder auf seine eigene ganz persönliche Weise und mit seinen Möglichkeiten. Wir haben uns diese Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht, aber wir sind nun mal schweren Herzens zu dem Schluss gekommen das für uns nun der Weg an dieser Stelle zu Ende geht.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die uns in den in den letzten Jahren unterstützt und die Treue gehalten haben! Ohne euch wäre die Seite niemals so erfolgreich gewesen.

Nun verabschieden wir uns ein letztes mal bei Euch und wünschen allen Usern unserer Seite alles erdenklich Gute.

Das Admin Team Aktiv-gegen-Kindesmissbrauch

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Diagnose Schütteltrauma: Der Kindesmisshandlung auf der Spur

“Unstillbares Schreien” nennt Karl-Heinz Deeg das, was für viele Eltern zum Horror wird. Das Neugeborene brüllt und brüllt, stundenlang, jeden Tag, jede Nacht. “Da wird jeder aggressiv”, sagt Deeg, Chefarzt an der Klinik für Kinder und Jugendliche der Sozialstiftung Bamberg.

Manchmal richtet sich die Wut gegen das Kind, Eltern brüllen es an, packen es am Brustkorb und schütteln es vor und zurück. Deeg sieht es als seine Aufgabe, Kinder davor zu schützen. Gleichzeitig zeigt er Verständnis: “Diese Eltern tun das nicht aus bösem Willen, sondern sind in dem Moment völlig hilflos.”

Für das Kind aber können die Folgen verheerend sein: Zwischen 100 und 200 Säuglinge erleiden einer groben Schätzung zufolge jährlich in Deutschland ein Schütteltrauma. Etwa ein Fünftel von ihnen stirbt an den Folgen, andere tragen dauerhafte geistige und körperliche Behinderungen davon. Viele Fälle werden gar nicht erst erkannt, weil äußerlich kaum Verletzungen zu sehen sind.

Misshandlungen festzustellen, ist für Kinderärzte oft schwierig, nicht nur im Falle eines Schütteltraumas. Blaue Flecken und Knochenbrüche können bedeuten, dass ein Kind gerne wild spielt – oder dass es geschlagen wird. Jeder Fall ist eine Gratwanderung, die von den Ärzten Feingefühl und Sorgfalt erfordert.

 

Ein neuer Ansatz soll nun helfen, ein Schütteltrauma eindeutig zu diagnostizieren: Wie eine aktuelle Studie des Kinderradiologen Ingmar Gassner von der Universität Innsbruck mit sechs Säuglingen zeigt, ist nach einer solchen Misshandlung nicht nur wie bisher bekannt das Gehirn betroffen. Auch im Wirbelkanal, der das Rückenmark schützt, treten Blutergüsse auf.

Blutergüsse an der Wirbelsäule

Die Autoren der Studie empfehlen deshalb, bei Verdacht auf Schütteltrauma neben dem Gehirn auch den Wirbelkanal mit Ultraschall zu untersuchen. Die Methode hat den Vorteil, dass die Säuglinge nicht mit Strahlen belastet und mit Medikamenten ruhiggestellt werden müssen wie bei Untersuchungen im Computer (CT)- oder Magnetresonanztomografen (MRT).

Doch reichen sechs Fälle aus, um daraus eine neue Diagnosemethode abzuleiten? “Dafür, dass man im Klinikalltag eher selten einen Verdacht auf Schütteltrauma hat, finde ich die Fallzahl recht hoch”, sagt Deeg. “Und das Ergebnis war eindeutig: Bei allen untersuchten Säuglingen ließen sich neben Hämatomen im Bereich des Gehirns auch welche am Wirbelkanal nachweisen.” Deeg, der auch stellvertretender Leiter der Sektion Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) ist, will die Methode künftig selbst anwenden.

Andere Kinderärzte sind skeptischer: “Die Methode Ultraschall ist immer nur so gut wie derjenige, der sie anwendet”, sagt Hans-Michael Straßburg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin. Die Studie sollte seiner Ansicht nach keinesfalls dazu führen, dass niedergelassene Ärzte im Alleingang mit dem Ultraschallgerät nach Anzeichen einer Misshandlung suchen. “Säuglinge mit Verdacht auf Schütteltrauma sollte man unbedingt stationär aufnehmen und unter anderem zusätzlich im Kernspintomografen untersuchen.”

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Bund zahlt 6,7 Millionen Euro für Programm gegen Kindesmissbrauch

Der Bund zahlt bis zum Jahr 2015 insgesamt 6,7 Millionen Euro für das rheinland-pfälzische Schutzprogramm gegen Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch von Kindern. Das Geld solle unter anderem dafür genutzt werden, dass Konzept «Guter Start

ins Kinderleben» in allen rund 50 Geburtskliniken im Land einzuführen, teilte das Familienministerium am Donnerstag in Mainz mit. Bislang gibt es das 2006 ins Leben gerufene Kinderschutzprogramm in 20 rheinland-pfälzischen Geburtskliniken. Zudem soll das Geld etwa in die Qualifizierung von Familienhebammen fließen.

Bei dem Programm «Guter Start ins KinderLeben» sollen mit Hilfe eines Fragebogens mögliche Überforderungen und Risiken in Familien früh erkannt werden. Geschulte Mitarbeiter können dann mit den Eltern sprechen und ihnen mögliche Hilfen erklären und vermitteln.

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Deutschland/Baden-Württ.: Felix Heger, vermisst seit 06.01.2006

Rund um Felix Heger finden Sie auf der Webräsenz der Privatinitiative

http://www.felix-info.net/index.html

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Jugendamt quartierte Lenas Mörder in Familienhotel ein

Emden – Der junge Mann mit dem blassen Gesicht und dem dunklen Pullover war kein gewöhnlicher Gast. Zusammen mit einer Frau, die sich als seine Betreuerin vorstellte, tauchte David H. im November 2011 in einem Hotel nahe der Innenstadt von Emden auf. Er wünschte ein günstiges Zimmer in ruhiger Lage. Ein knappes halbes Jahr später logiert David H. nicht mehr im Hotel, sondern in einer Gefängniszelle in Vechta.

Er ist der mutmaßliche Mörder der kleinen Lena, 11, aus Emden (Niedersachsen). Der 18-Jährige soll das Mädchen vor zwei Wochen vergewaltigt und erstochen haben. Seit der Festnahme von H. kommen immer mehr Behörden-Pannen ans Licht. Schon vor zwei Jahren hatte ihn sein Stiefvater wegen dem Missbrauch eines 7-jährigen Mädchens angezeigt. Und als sich H. im November 2011 selbst wegen seiner pädophilen Neigungen anzeigte, blieben die Behörden untätig.

Und jetzt das: Kaum hatte David H. eine zweimonatige Therapie wegen seiner pädophilen Neigungen beendet, quartierte das Jugendamt den späteren Gewalttäter ausgerechnet in einem Familienhotel ein. Nach dem Aufenthalt in der Psychiatrie sollte H. nicht wieder zu seiner Mutter ziehen. Also wohnte er zwei Monate in einem Zimmer für 59 Euro die Nacht, später in einem Appartement im selben Hotel. Die Rechnungen bezahlte die Nachbar-Gemeinde von Emden, in der David H. gewohnt hatte. Hotel-Managerin Anja H. sagt BILD am SONNTAG: „Bei uns wohnen viele Familien mit Kindern.

Dass ein tickendes Pulverfass bei uns untergebracht wurde, ist ein Schock.“ Und: „Niemand informierte uns darüber, dass er ein Gast mit pädophilen Neigungen ist.“ Eine Woche nachdem H. im Hotel eingecheckt hatte, überfiel er am 24. November eine Joggerin. Die Tat wurde damals nicht mit ihm in Verbindung gebracht, weil er bei seiner Selbstanzeige nicht erkennungsdienstlich behandelt wurde. Nach BILD-am-SONNTAG-Informationen hat David H. im Verhör ausgesagt, er könne sich an den Überfall auf die Joggerin nicht erinnern. Dass er die kleine Lena ermordete, hat er jedoch gestanden. Den Beamten sagte er ganz lapidar: „Ja, ich hab die umgebracht.“

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Wie Kinder sicher surfen

Dinge im Internet zu entdecken, soll und kann Spaß machen. Doch genauso wie die reale Welt, birgt auch der virtuelle Raum Gefahren. Für Pädophile beispielsweise ist das Internet ideal, um Kontakte zu Kindern anzubahnen, weil es ihnen Anonymität gewährt. Eltern sollten mit ihren Kindern sachlich über die Gefahren sprechen, die es beispielsweise beim Chatten im Internet gibt. “Die Gefahr ist einfach da, dass Kinder sich nicht vorstellen können, dass der 12-jährige Tim gar kein 12-jähriger Tim, sondern ein 43-jähirger Klaus ist, der sich dort aufhält, um Kontakt zu Mädchen und Jungs zu bekommen”, erklärt Carmen Kerger-Ladleif vom Hamburger Opferschutzverein “Dunkelziffer e.V.”. In jedem Moment sind weltweit durchschnittlich 750.000 Pädophile im Netz auf der Suche nach Kontakten zu Kindern. Mithilfe von heutzutage oft schon in die Bildschirme eingebauten Webcams können die Täter auch “Zutritt” ins Kinderzimmer erlangen.

Gutes Vertrauensverhältnis hilft vorbeugen

Eltern sollten dafür Sorge tragen, dass ihre Kinder eine Vertrauensperson haben, der sie alles erzählen können. Bei vielen Jungen und Mädchen, gerade während der Pubertät, müssen das nicht die Eltern selbst sein, sondern es kann auch jemand aus dem vertrauten Umfeld sein. Ein Computer-Verbot als Sanktion bei Fehlverhalten ist aber wenig sinnvoll. Im Gegenteil: Nach den Erfahrungen der Pädagogen des Hamburger Opferschutzvereins “Dunkelziffer e.V.” nennen Kinder dies häufig als Grund, weshalb sie ihren Eltern lieber nichts erzählen, wenn ihnen etwas zustößt. Das hilft aber den pädophilen Tätern, die nichts mehr fürchten, als entdeckt zu werden. Deshalb ist es auch unerlässlich, dass sich Eltern mit dem Medium Internet vertraut machen, um abschätzen zu können, was ihre Kinder dort tun.

Eltern sollten eine Atmosphäre schaffen, die es Kindern ermöglicht, über ihre Sorgen zu sprechen. Das bedeutet, dass Kinder Aufmerksamkeit und Zuwendung von ihren Eltern erfahren. Pädosexuelle nutzen zum Beispiel oft ein sogenanntes emotionales Mängelmilieu, in dem Kinder aufwachsen. Wenn also die Vaterfigur fehlt (bei Jungen ist das besonders entscheidend) oder, wenn es keine Zuwendung gibt, ist es für Pädosexuelle oft einfach, die Rolle des netten Onkels zu spielen. Kinder sollten daher lernen, laut und deutlich artikulieren zu können, was sie möchten und was nicht.

Regeln fürs Surfen

- Ein Computer, vor allem einer mit Internetanschluss, gehört bei unter 14-Jährigen nicht ins Kinderzimmer. Alternative: Wohnzimmer oder Flur.
– Surf-Zeit: Bei Zehnjährigen maximal eine halbe Stunde, bei älteren bis zu einer Stunde.
– Kinder und Jugendliche sollten möglichst keine Fotos von sich ins Netz stellen.
– Als Profilfoto ist ein Platzhalterbild wie eine Blume oder ein Tier besser geeignet.
– Sparsam mit persönlichen Angaben zur Person sein.
– Webcam zur Sicherheit nach dem Chat mit Freunden abkleben.
– Nicht mit Unbekannten aus dem Netz verabreden.

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Studie belegt: Auch Kinder sind Täter

Von Voyeurismus über ungewollte Berührungen am Körper bis zu erzwungenem Geschlechtsverkehr reichen die Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, mit denen Schulen, Heime und Internate konfrontiert sind. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat nun erstmals landesweit untersucht, wie häufig an diesen Institutionen Verdachtsfälle auf sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt bekannt werden. Die Studie ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes, das die Unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann in Auftrag gegeben hat.

Täter sind nur in der Minderzahl Lehrer oder Erzieher

Erschreckend: Als mögliche Täter haben die betroffenen Kinder vergleichsweise selten Betreuer, Erzieher oder Lehrer angegeben. In den befragten Heimen gerieten bei zehn Prozent der Missbrauchsvorwürfe die dort tätigen Erwachsenen unter Verdacht, an Schulen vier und an Internaten drei Prozent. Dagegen ist sexueller Gewalt unter Kindern und Jugendlichen offenbar viel weiter verbreitet: Knapp 40 Prozent der Heime berichten über Verdachtsfälle, bei denen die mutmaßlichen Täter andere Kinder oder Jugendliche waren. An Schulen und Internaten werden bei 16 (Schulen) bis 28 Prozent (Internate) der Vorwürfe Gleichaltrige dafür verantwortlich gemacht. Die Hälfte dieser Verdächtigten war unter 14 Jahre alt. Bei den Opfern handelt es sich, egal bei welcher Tätergruppe, überwiegend um Mädchen.

Verdacht auf sexuelle Übergriffe in Heimen am häufigsten geäußert

Laut der DJI-Studie müssen Heime am häufigsten mit Verdachtsfällen sexueller Übergriffe und sexueller Gewalt umgehen: 70 Prozent der 324 befragten Einrichtungen meldeten, dass es bei ihnen innerhalb der vergangenen drei Jahre mindestens einen Verdachtsfall auf sexuelle Gewalt gegeben habe. Fast jeder zweite Fall hat sich laut Deutschem Jugendinstitut aber außerhalb des Heimes, etwa im häuslichen Umfeld, ereignet. Das sei im Vergleich zu Schulen und Internaten grundsätzlich auch nicht sehr überraschend, meint Professor Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor des DJI, gegenüber NDR.de. Diese Kinder und Jugendlichen hätten oftmals bereits Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen gemacht und zudem kaum Strategien und Widerstandskräfte entwickelt, um sich gegen sexuelle Übergriffe zu wehren. Zudem müsse man sich klar machen, “dass es in Heimen und Internaten, anders als an Schulen, Tag- und Nachtsituationen gibt. Da kann es zu intimeren Situationen kommen, weil Kinder zum Beispiel ins Bett gebracht oder getröstet werden müssen. Oder weil Jugendliche Probleme, wie beispielsweise Liebeskummer, haben und darüber dann gesprochen wird. Damit bieten sich sogenannte Ermöglichungsräume, in denen die Kinder und Jugendlichen sich emotional eher öffnen, wenn ihnen außerhalb des Heims etwas passiert ist. Aber diese Offenheit kann auch im wahrsten Sinne des Wortes missbraucht werden.”

Bei der Präsentation der Studie zeigte sich Christine Bergmann angesichts der hohen Zahl der Verdachtsfälle schockiert: Diese Kinder seien “emotional bedürftig” und dies werde ausgenutzt. Die Ergebnisse zeigten, “dass der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch integraler Bestandteil von Schulen, Internaten und Heimen werden muss”, so die Missbrauchsbeauftrage weiter. Denn nicht nur Heime sind den Daten der DJI-Studie zufolge mit Verdachtsfällen von sexueller Gewalt konfrontiert, sondern auch Schulen und Internate, zwar in geringerem, aber dennoch erschreckendem Ausmaß. In der Hälfte der befragten Internate und rund 40 Prozent der befragten Schulen sind Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs bekannt geworden. Die Mehrzahl der Vorfälle soll sich außerhalb der Einrichtungen, etwa innerhalb der Familie ereignet haben, wurde aber einem Lehrer oder Betreuer mitgeteilt und damit zu einem Thema innerhalb der Institution.

Studie belegt: Auch Kinder sind Täter

Für das Deutsche Jugendinstitut resultiert aus seinen Forschungsergebnissen ein dringender Handlungsbedarf. Bei dem Forschungsprojekt sei es zunächst darum gegangen, das Ausmaß von sexueller Gewalt und sexuellen Übergriffen gegen Kinder und Jugendliche in Schulen, Internaten und Heimen auszumachen, so DJI-Direktor Thomas Rauschenbach. “Die Studie hat gezeigt, dass es sich um ein Problem handelt, dass an allen pädagogischen Institutionen ein relevantes Thema ist, eines, das in die Mitte der Gesellschaft gehört. Das gilt übrigens für Sucht- und andere Gewaltprobleme genauso.”

Auch in Zukunft werde man nicht verhindern können, dass Heime, Schulen und Internate mit derartigen Problemen konfrontiert würden, “aber wir können ändern, wie wir damit umgehen”, so Thomas Rauschenbach. “Jahrelang gab es eine Kultur des Wegschauens, jetzt brauchen wir eine neue Leitkultur im Umgang mit Missbrauchsfällen.”

Die zeige sich beispielsweise schon in manchen Heimen. Dort versuchen die Mitarbeiter sich im Team mit dem “schambehafteten, unangenehmen Thema” auseinanderzusetzen. “Wir müssen diese Sachverhalte zur Kenntnis nehmen und sie zur Sprache bringen, um die Spannungen, die sie mit sich bringen, auszuhalten und nicht zu verdrängen. Das ist eine zentrale Aufgabe”, sagt Institutsdirektor Rauschenbach und verweist darauf, wie wichtig es sei, Missbrauchsfälle in einer Institution aufzuarbeiten.

Die Autoren des Forschungsprojektes haben in Schulen, Internaten und Heimen auch gefragt, was gegen sexuelle Gewalt an Kindern präventiv getan werden sollte. Am häufigsten wurden Angebote genannt, die sich an die Kinder und Jugendlichen selbst wenden, wie etwa Theaterstücke gegen sexuellen Missbrauch oder Kurse zur Stärkung des Selbstvertrauens der Kinder.

“Jede pädagogische Fachkraft sollte sozialer Ersthelfer sein können”

Schon die Ausbildungsinhalte von Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern müssten ergänzt werden, um die pädagogischen Fachkräfte auf den Umgang mit sexuellem Missbrauch vorzubereiten, so ein Befund der Studie. Als Beispiele für die Lehrerausbildung nennt Thomas Rauschenbach die Einführung eines Pflichtseminars zur Prävention sexueller Gewalt im Studium und mindestens ein Seminar zur Schulung von sachgerechter Kommunikation bei allen Arten von sozialen Problemen. Die Sensibilität und Fähigkeit, über sexuelle Übergriffe sprechen zu können und vor allem einem Kind, das Hilfe braucht, zu vermitteln, dass es ernst genommen wird, seien im Notfall entscheidend. “Es geht darum, dass alle pädagogischen Fachkräfte fähig sind, zumindest so etwas wie soziale Ersthelfer sein zu können”, so Rauschenbach und spricht vom System einer “sozialen Notrufsäule”. Es müsse wie bei einem Autounfall absolut klar sein, an welche Experten sich ein Lehrer oder Betreuer wenden könne, wenn sich ihm ein Kind, das Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist, offenbare.

Konkrete Umsetzung der Empfehlungen noch unklar

Die Ergebnisse und Empfehlungen der Studie des Deutschen Jugendinstitutes sind in den Abschlussbericht der Unabhängigen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung geflossen. Was daraus konkret wird, welche Empfehlungen zum Beispiel in Gesetzesentwürfe einfließen, ist noch nicht klar. Das zeitlich befristete Amt der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung im März 2010 geschaffen. Ende Oktober 2011 wird die Aufgabe erfüllt sein, zu der eben auch die jetzt vorliegende Studie des DJI einen Beitrag geleistet hat. Die mit der Position der Missbrauchsbeauftragten geschaffene telefonische Anlaufstelle wird weitergeführt. Noch ist allerdings unklar in welcher Form. Thomas Rauschenbach sieht die fachlich und politisch Verantwortlichen am Zug: Sie könnten dafür Sorge tragen, dass “zumindest mittelfristig die Zahlen zurückgehen”.

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Wer hilft den Opfern?

Kinder können oft gar nicht in Worte fassen, was ihnen angetan wird oder worden ist. Zudem verhindern Scham und das Gefühl, womöglich etwas falsch gemacht zu haben, dass sie über die Taten sprechen können. Die Täter, die mehrheitlich aus dem familiären Umfeld kommen, setzen außerdem alles daran, ihr Opfer so unter Druck zu setzen, dass es nichts verrät. Die Macht, die Täter über die Kinder erlangen, ist so stark, dass sie bei den Opfern bis ins Erwachsenenalter wirksam sein kann.

Erste Anlaufstellen

Vereine wie Dunkelziffer e.V. oder der Weiße Ring eignen sich sehr gut als erste Anlaufstelle für Opfer. Im Idealfall sorgen sie auch dafür, dass sexuell missbrauchte Kinder und auch Erwachsene eine Therapie bekommen können, um ihre Traumatisierungen und Erfahrungen zu verarbeiten. Mit der richtigen Therapie ist es prinzipiell möglich, dass Kinder irgendwann wieder ein “normales” Leben führen können, wobei die Narben auf der Seele bleiben. Aber die Opfer können den Umgang mit diesen Narben erlernen. Schwerer haben es jedoch Erwachsene, die erstmals nach Jahrzehnten das Schweigen über die Gewalt, die ihnen angetan wurde, brechen wollen.

Problematisch: Suche nach einem Therapieplatz

Zu wenig Trauma-Therapeuten

“Wir haben ein Problem darin, dass es Leute gibt, die sich sehr lange mit der Therapie von traumatisierten Patienten beschäftigt haben und deshalb auch spezielle Kenntnisse in traumatherapeutischen Methoden haben, die im Ausland auch zum Teil gut untersucht worden sind, in Deutschland aber nicht. Also es gibt Leute, die arbeiten mit solchen Methoden in Deutschland, die sind aber oft nicht kassenzugelassen, und es gibt kassenzugelassene Leute, die aber in spezifischer Traumatherapie wenig Erfahrung haben.”

Jörg Fegert, Kinder- und Jugendpsychiater, Leiter des Wissenschaftlichen Beirats der Beratungsstelle bei der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs

Wenn es darum geht, das Trauma einer Vergewaltigung oder eines fortgesetzten Missbrauchs zu verarbeiten, haben es die Opfer in Deutschland schwer, einen geeigneten Therapieplatz zu bekommen. Zehntausende von Menschen, die als Kind sexuelle Gewalt erleben mussten, sind auf der Suche nach einer Therapeutin oder einem Therapeuten. Nina F., die von ihren Eltern als Kind sexuell missbraucht wurde, erzählt von ihrer jahrelangen und verzweifelten Suche nach einem Therapeuten. Die wenigen auf Traumatherapie spezialisierten Therapeuten haben teilweise jahrelange Wartelisten. Aber nicht jede Therapie kann über die Krankenkasse abgerechnet werden. Die Kassen bezahlen nur die, deren Wirksamkeit in Deutschland erforscht worden ist. Darüber hinaus wissen viele Psychologen noch nicht einmal mit Missbrauchsopfern umzugehen.

Nötig wäre ein flächendeckendes Netz von Ärzten und Psychotherapeuten zur Versorgung aller Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch. Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Dieser Mangel wird aber sobald nicht behoben werden, denn nach wie vor wird die Thematik etwa in der Ausbildung von Medizinern und psychologischen Psychotherapeuten gar nicht behandelt, wie der Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Jörg Fegert gegenüber 45 Min darlegt. “Wir müssen auch in der Ausbildung dafür sorgen, dass Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wirklich gut ausgebildete privilegierte Ansprechpartner sind, die hier entsprechendes Grundlagenwissen und auch Fachwissen haben”, fordert Fegert weiter.

Bundesweites Beratungstelefon

45 Min zeigt mit seinen beiden Dokumentationen zum Thema Kindesmissbrauch, wie wenig sich die Politik bisher für den Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt eingesetzt hat. Missbrauch in der Familie gibt es in unserer Gesellschaft hunderttausendfach. Die Politik hat aber erst reagiert, als Missbrauchs-Fälle in kirchlichen Einrichtungen bekannt wurden. Auch der im vergangenen Jahr eingesetzte “Runde Tisch Sexueller Kindesmissbrauch” wird an der Gesamtsituation nicht viel ändern, so der Autor der Dokumentationen, Sebastian Bellwinkel im Interview mit NDR.de.

Beratung

Telefonische Anlaufstelle der Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs
Tel. (0800) 22 55 530
bundesweit und kostenfrei
Sprechzeiten:
Mo 8.00 bis 14.00 Uhr
Di, Mi, Fr 16.00 bis 22.00 Uhr
So 14.00 bis 20.00 Uhr

Immerhin hat die Bundesregierung einen neuen Posten im Bundesfamilienministerium geschaffen: den der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. Berufen wurde dafür die ehemalige Bundesfamilienministerin Christine Bergmann. Für Betroffene, Vertrauenspersonen von Opfern und Menschen, denen Missbrauchs-Fälle aufgefallen sind, ist eine telefonische Anlaufstelle eingerichtet worden. Anrufer können dort anonym und vertraulich mit Mitarbeitern eines Teams von Sozialpädagogen, Psychologen und Medizinern sprechen.

Die Werbekampagne für das Beratungstelefon läuft unter dem Motto “Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter”. Betroffene sollen dazu aufgerufen werden, über den Missbrauch zu sprechen. Außerdem “soll die breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden”, heißt es auf der Website www.sprechen-hilft.de“. Bisher haben sich über 10.000 Menschen bei der Beratungsstelle gemeldet, die sexuelle Gewalt erlitten haben. Viele Betroffene sprechen zum ersten Mal in ihrem Leben überhaupt über ihren Leidensweg.

Was kann jeder Einzelne tun?

Es ist gut, wenn Eltern und andere Vertrauenspersonen mit offenen Augen die Umwelt der Kinder beobachten und insbesondere bei (versteckten) Hinweisen genau hinhören. Häufig benennen Kinder Vorfälle aufgrund eigener Scham oder durch äußeren Druck nicht direkt oder nur verklausuliert. Opferschutzvereine wie Dunkelziffer oder der Weiße Ring informieren darüber, auf welche Signale Eltern hier im Einzelnen achten sollten. Grundsätzlich freuen sich Kinderschutz-Organisationen und -vereine immer über Spenden.

Wieso nicht einfach mal zum Wahlkreisabgeordneten des Vertrauens gehen und ihn darauf ansprechen? Ich glaube, Politiker reagieren da nur auf sehr, sehr großen Druck. Sebastian Bellwinkel, Autor des Films

Wenn Hinweise bestehen, aber man unsicher ist, ob tatsächlich ein Missbrauch vorliegt, sollten Eltern lieber zum Wohle ihrer Kinder handeln, als aus falscher Rücksicht gegenüber dem netten Nachbarn dem eigenen Kind zu misstrauen. Sie sollten allerdings behutsam vorgehen, denn die Aussagen von Kindern richtig zu deuten, ist nicht immer einfach. In wenigen Fällen sind falsche Anschuldigungen bekannt geworden.

Wer tatsächlich einen Missbrauch zur Anzeige bringt, muss sich darüber im Klaren sein, Beweise vorlegen zu müssen. Wie man hier richtig vorgeht, sollten Betroffene im Zweifel mit Opferschutzvereinen besprechen. Die kennen die Probleme und können helfen.

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45 Min – Das missbrauchte Kind Doku

In der Dokumentation “45 Min – Sexobjekt Kind” hatte Sebastian Bellwinkel 2010 aufgedeckt, wie in Deutschland Politik, Justiz und Gesundheitswesen gemeinsam versagen beim Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt. Dafür wurde der Film für den Adolf-Grimme-Preis nominiert.
In der Zwischenzeit ist das Thema durch den öffentlich bekannt gewordenen sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen und Schulen aktueller denn je. “45 Min” fragt nach, was der von der Politik eigens einberufene “Runde Tisch sexueller Kindesmissbrauch” tatsächlich erreicht hat und entlarvt dabei zahlreiche Forderungen von Politikern und Beteuerungen als Lippenbekenntnisse. Insbesondere die therapeutische Versorgung Tausender Opfer weist nach wie vor eklatante Mängel auf.
Die Dokumentation zeigt, dass von sexuellem Missbrauch Betroffene weiterhin häufig jahrelang auf einen Therapieplatz warten müssen, es viel zu wenig kompetente Hilfe gibt und Krankenkassen blockieren, wenn es um die Bezahlung geht.
Auch Hilfsangebote für pädophile Männer gibt es nach wie vor viel zu wenig. Trotz eindeutiger Warnungen von Experten ist die Ausbildung dafür dringend benötigter Ärzte, Gutachter und Therapeuten weiterhin vollkommen unzureichend. Das zuständige Bundesgesundheitsministerium und die Bundesärztekammer scheuen Verbesserungen – offenbar aus Kostengründen. Anstatt sinnvoll in Prävention zu investieren und damit langfristig sogar Geld zu sparen, riskieren die Verantwortlichen damit, dass weitere Kinder Opfer werden.
In der Dokumentation werden zwei Betroffene, ein Missbrauchsopfer und ein pädophiler Mann, begleitet. Sie zeigt aber auch vereinzelte Lichtblicke, dass sich etwas ändert. So setzt sich ein FDP-Bundestagsabgeordneter aus Schwerin dafür ein, die frühzeitige Begutachtung von Sexualstraftätern im Gerichtsverfahren gesetzlich verankern zu lassen. Bisher werden diese Täter nämlich nicht auf ihre Gefährlichkeit und Rückfallgefahr hin untersucht und deshalb auch kaum therapiert.
“45 Min – Das missbrauchte Kind” zeigt erschütternde Ergebnisse der fortgesetzten Recherche von Autor Sebastian Bellwinkel.

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